Kontraste
Heute Nacht ist ein Mann, ein Nachbar in unserem Haus, in meinen Armen gestorben. Ich wohne ja erst seit ein paar Wochen hier und kannte ihn leider nur von ein Paar Begegnungen. Ein freundlicher, lebensfroher Mann! Ich konnte ihm mit meinen Mitteln nicht mehr helfen, trotz (oder vielleicht gerade wegen) meiner Erfahrungen aus dem Rettungsdienst. Einzig ein kurzes Gebet, ein Flehen zu Gott, er möge diese Seele bei sich aufnehmen, wenn der Mann nun doch sterben müsse. Einen ordentlichen dringlichen Notruf bei der Feuerwehr absetzen und bei ihm sein, war letztlich alles was ich tun konnte. Und irgendwie bedrückt mich diese Wenigkeit meines Einsatzes.
Ich will hier nicht weiter auf die medizinischen Einzelheiten eingehen, das ist nichts für schwache Gemüter. Die Rettungsprofis haben sehr schnell festgestellt, dass jedwede Wiederbelebungsversuche im Ansatz ohne Chance waren. Meine Einschätzung war also soweit richtig, aber das tröstet mich nicht wirklich.
Der Platz hier reicht leider nicht aus alle meine Gedankengänge und Fragmente aufzunehmen die mir so durch den Kopf gehen, und dabei ist noch nichts über das Leid der Hinterbliebenen gesagt.
Aber eines ist gewiss: Der Mensch sollte sich weniger Gedanken um das Sterben als um den Tod machen! Für den bekehrten Christen aber ist der Tod eher sowas wie ein treuer Bergführer, oder Lotse, oder schlimmstenfalls ein Taxi vielleicht, das einen endlich ohne Umwege nach Hause bringt!
Ach, ja! Warum Kontraste? Heute werden Marija und Micha heiraten und ich freue mich darauf!
"Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten; aber vor allem führe er uns zu sich."
(Dietrich Bonhoeffer)
